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FLEET-MANAGEMENT

Dieseldiebstahl am Lkw erkennen

Abzapfen, Betankung am Tank vorbei, geklonte Tankkarten: wie sich Verluste mit CAN-Bus- und Sondendaten erkennen lassen und wie Sie Ihre Flotte schützen.

Die meisten Transportunternehmen kontrollieren den Kraftstoff auf dieselbe Weise: Am Monatsende werden Rechnungen mit der Laufleistung abgeglichen. Diese Methode hinkt Wochen hinterher und unterscheidet nicht zwischen Diebstahl und hohem Verbrauch. Dabei ist Diesel meist der zweitgrößte Kostenblock nach den Personalkosten, und Verluste sind selten spektakulär. Meist sind es wiederkehrende kleine Beträge, die sich zu einem Loch im Budget summieren.

Das Ausmaß des Problems

Branchendaten für 2022 und 2023 zeigen einen deutlichen Aufwärtstrend:

  • Risk Intelligence verzeichnete 2022 in Europa 2.313 Fälle von Ladungs- und Kraftstoffdiebstahl, davon 785 direkt beim Kraftstoff.
  • TAPA EMEA registrierte allein in den ersten neun Monaten 2023 1.526 Kraftstoffdiebstähle in 27 Ländern.

Am stärksten betroffen sind Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien, also Länder, die im internationalen Straßengüterverkehr täglich angefahren werden. Unmittelbarer Grund für den Anstieg sind die Kraftstoffpreise: Je höher sie sind, desto lohnender wird der Diebstahl für organisierte Gruppen.

Vier Wege, auf denen Diesel verschwindet

Abzapfen aus dem Tank. Der Klassiker: Schlauch und Pumpe, manchmal ein angebohrter Tank oder ein aufgebrochener Tankdeckel. Das passiert nachts auf unbewachten Parkplätzen und dauert etwa eine Viertelstunde.

Betankung am Tank vorbei. Auf der Rechnung stehen 400 Liter, im Tank sind 370 angekommen. Der Rest ging in einen Kanister. Diese Variante hinterlässt in den Unterlagen keine Spur, nur in den Daten dazu, wie stark der Füllstand im Tank tatsächlich gestiegen ist.

Geklonte Tankkarten und Skimming. Professionellere Gruppen kopieren Kartendaten und tanken auf Kosten des Unternehmens, manchmal Hunderte Kilometer von der Route des Fahrzeugs entfernt.

Manipulierte Verbrauchsvorgaben. Ein hoher Verbrauch wird mit Staus und schwierigen Bedingungen begründet, während die Motordaten eine geringe Last und keinen Leerlauf zeigen.

Eine eigene Kategorie ist das Durchtrennen von Kraftstoffleitungen: eine invasive Methode, die neben dem Kraftstoffverlust auch Reparaturkosten und Standzeit verursacht.

Was ein Diebstahl kostet

Eine volle Tankfüllung kostet bei einer Sattelzugmaschine rund 3.000 Euro. Der Wert des Kraftstoffs ist aber nur der erste Posten auf der Rechnung:

  • Standzeit des Fahrzeugs und Notbetankung unterwegs, meist zu einem höheren Preis,
  • Reparatur von Schäden an Tank, Tankdeckel und Leitungen, manchmal auch an der Elektrik,
  • höhere Versicherungsprämien bei wiederholten Schäden,
  • Lieferverzögerungen und danach Gespräche mit der Kundschaft, deren Ladung nicht rechtzeitig ankam,
  • Verwaltungsaufwand: Anzeige, Dokumentation, Klärungen,
  • Belastung für das Fahrpersonal, das sich nach einem solchen Vorfall auf dem Parkplatz weniger sicher fühlt.

Warum einfache GPS-Ortung nicht reicht

Ein Standardsystem zeigt, wo das Fahrzeug steht. Drei Fragen beantwortet es nicht, und gerade sie entscheiden, ob überhaupt klar ist, was passiert ist:

  • Ist der Füllstand plötzlich im Stand oder während der Fahrt gefallen?
  • Ist der Kraftstoff aus dem Tank verschwunden oder nie dort angekommen?
  • Liegt der hohe Verbrauch auf dieser Strecke an den Bedingungen oder an einer Manipulation?

Jede dieser Antworten erfordert den Abgleich zweier unabhängiger Datenquellen.

So werden Verluste erkannt: Sonde und CAN-Bus

Die Tanksonde misst den Flüssigkeitsstand im Tank. Der CAN-Bus meldet, wie viel Kraftstoff die Einspritzdüsen tatsächlich entnommen haben. Das sind zwei verschiedene Größen, und erst ihr Abgleich schafft Gewissheit:

  • Diebstahl im Stand. Ein plötzlicher Abfall des Füllstands bei abgestelltem Motor lässt sich nicht mit Verbrauch erklären. Das System meldet ihn als mögliche Kraftstoffentnahme und sendet eine Warnung in Echtzeit, also innerhalb von Minuten und nicht erst nach einem Monat.
  • Verluste während der Fahrt. Sinkt der Füllstand im Tank deutlich stärker, als es der vom Motor gemeldete Verbrauch erklärt, ist die Differenz eine Unregelmäßigkeit, die geklärt werden muss.
  • Kontrolle der Tankvorgänge. Der Abgleich der Tankkartentransaktionen mit dem tatsächlichen Literzuwachs im Tank deckt eine Betankung am Tank vorbei noch am selben Tag auf.
  • Fehlalarme herausfiltern. Kraftstoff schwappt beim Bremsen, und der Füllstand ändert sich, wenn das Fahrzeug am Hang steht. Algorithmen, die diese Effekte herausfiltern, machen den Unterschied zwischen einem nützlichen Alarm und einem System, das niemand mehr beachtet, weil es zehnmal am Tag anschlägt.

Operative Auswertungen zeigen, dass das Unterbinden von Diebstahl zusammen mit weniger Leerlauf und optimierten Routen die gesamten Kraftstoffkosten um 5 bis 12 Prozent senkt. Wie das Modul arbeitet, beschreibt die Seite zur Tanküberwachung.

Was sonst noch hilft

Telematik erkennt und dokumentiert. Um die Zahl der Versuche zu senken, braucht es zusätzlich eine physische und eine organisatorische Ebene:

Sichere Parkplätze. Zertifizierungen nach TAPA und ESPORG stehen für Kameras, Zaun, Beleuchtung und Zutrittskontrolle. Das Problem: In Westeuropa gibt es noch immer zu wenige solcher Plätze, deshalb hält das Fahrpersonal dort, wo gerade die Lenkzeit endet.

Tanksicherung. Abschließbare Tankdeckel, Absaugschutz-Einsätze, die das Einführen eines Schlauchs verhindern, ohne den Durchfluss beim Tanken zu bremsen, Abdeckungen für Sensoren und Leitungen sowie unabhängige Alarme, die beim Öffnen des Tankstutzens auslösen.

Disziplin bei Tankkarten. PIN-Pflicht bei jeder Transaktion, Tages- und Wochenlimits, Benachrichtigungen in Echtzeit und vor allem der Abgleich des Transaktionsorts mit der Position des Fahrzeugs. Eine Karte, die 200 Kilometer von der Zugmaschine entfernt eingesetzt wird, ist ein Signal, das das System automatisch erkennt.

Schulung des Fahrpersonals. Die Wahl des Abstellplatzes, das Melden verdächtiger Situationen und das Wissen, wie ein typischer Angriff abläuft. Außer dem Fahrpersonal ist niemand vor Ort.

Was außerhalb der Flotte passiert

Gegen Kraftstoffdiebstahl wird auch auf Branchenebene vorgegangen. TAPA EMEA arbeitet mit Europol und Interpol zusammen, teilt Daten zu Vorfällen und bietet Schulungen sowie Sicherheitsstandards an (FSR, TSR, PSR). Europol startet immer wieder Operationen gegen den Handel mit gestohlenem Kraftstoff. Das Mobilitätspaket betrifft Diebstahl zwar nicht direkt, verbessert aber die Bedingungen für die Ruhezeiten des Fahrpersonals und damit indirekt auch die Sicherheit der Fahrzeuge.

Der erste Schritt

Beruht Ihre Kraftstoffkontrolle heute auf dem Abgleich von Rechnungen mit der Laufleistung, ist der erste Schritt keine Anschaffung, sondern eine Bestandsaufnahme: Prüfen Sie, bei wie vielen Fahrzeugen CAN-Bus-Daten bereits verfügbar sind und ob die Sonden kalibriert sind. In den meisten Flotten zeigt sich, dass ein Teil der Daten schon erfasst wird, aber niemand sie abgleicht. Das ist die günstigste Informationsquelle, die eine Flotte überhaupt haben kann.

Häufig gestellte Fragen

Wie lässt sich Dieseldiebstahl von normalem Verbrauch unterscheiden?

Am Betriebszustand des Motors. Ein Abfall des Füllstands bei abgestelltem Motor lässt sich nicht durch Verbrauch erklären und wird daher als mögliche Entnahme zur Prüfung gemeldet (ein ähnliches Signal können auch ein Leck oder ein Sensorfehler erzeugen). Während der Fahrt wird der Verlust im Tank mit der Kraftstoffmenge verglichen, die die Einspritzdüsen laut CAN-Bus-Daten entnommen haben. Ist der Verlust deutlich größer, liegt eine Unregelmäßigkeit vor.

Was ist genauer: Tanksonde oder CAN-Bus-Daten?

Beide messen etwas anderes. Die Sonde liefert den Flüssigkeitsstand im Tank, der CAN-Bus den tatsächlich vom Motor verbrauchten Kraftstoff. Erst der Abgleich beider Quellen zeigt, ob der Kraftstoff im Motor verbrannt ist oder den Tank auf anderem Weg verlassen hat.

Lohnt sich Kraftstoffkontrolle für eine kleine Flotte?

Die Rechnung hängt vom Wert eines einzelnen Vorfalls ab, nicht von der Zahl der Fahrzeuge. Bei einer vollen Tankfüllung im Wert von rund 3.000 Euro deckt ein verhinderter Diebstahl die Ausstattung mehrerer Zugmaschinen. In kleinen Flotten amortisiert sich auch die Kontrolle der Tankvorgänge schneller, weil sich die Differenz zwischen Rechnung und Füllstandsanstieg dort leichter nachverfolgen lässt.

Wie viel lässt sich mit Kraftstoffkontrolle sparen?

Operative Auswertungen nennen 5 bis 12 Prozent der gesamten Kraftstoffkosten, wobei mehrere Effekte zusammenwirken: weniger Diebstahl, weniger Leerlauf und optimierte Routen. Die Kontrolle von Kraftstoffverlusten allein macht einen Teil dieser Spanne aus.

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