ADAS und DMS
ADAS (Advanced Driver Assistance Systems, Fahrerassistenzsysteme) und DMS (Driver Monitoring Systems, Fahrerzustandserkennungssysteme) sind zwei komplementäre Sicherheitstechnologien im Fahrzeug. ADAS analysiert die Straße mithilfe von Sensoren und Kameras und warnt vor äußeren Gefahren. DMS erkennt anhand von Augenbewegung, Kopfposition und weiteren Merkmalen Anzeichen von Müdigkeit oder Ablenkung.
Wie funktioniert ADAS?
ADAS stützt sich auf ein Netz von Sensoren im Fahrzeug. Jeder Sensortyp hat eine eigene Stärke, und keiner reicht allein aus:
- Radar misst Abstand und Relativgeschwindigkeit zum vorausfahrenden Fahrzeug und arbeitet auch bei Regen und Nebel
- Lidar erstellt ein hochaufgelöstes räumliches Bild der Umgebung
- Ultraschallsensoren decken den Nahbereich beim Rangieren und Rückwärtsfahren ab
- Kameras erkennen alles, was Bildinterpretation erfordert: Verkehrszeichen, Fahrbahnmarkierungen, Menschen zu Fuß und auf dem Rad
Die Daten aller Sensoren laufen in einer Recheneinheit zusammen, die daraus ein Gesamtbild der Situation erstellt und in Echtzeit bewertet, ob ein Objekt eine Gefahr darstellt. Ist das der Fall, löst sie eine Warnung aus, bei neueren Systemen auch einen Eingriff wie eine Notbremsung.
Wie funktioniert DMS?
DMS blickt in die andere Richtung: auf die Person am Steuer. Der häufigste Sensor ist eine Infrarotkamera auf Augenhöhe. Infrarot ist dabei eine praktische Entscheidung und keine technische Spielerei: Es funktioniert unabhängig von der Kabinenbeleuchtung, sodass das System nachts, im Tunnel und bei Sonne, die direkt durch die Windschutzscheibe scheint, gleich zuverlässig arbeitet.
Die Kamera erfasst Blinzelmuster, Lidschlussdauer, Kopfhaltung und Kopfbewegungen sowie die Blickrichtung. Daraus bewertet ein Algorithmus die Aufmerksamkeit. Erkennt das System Müdigkeit oder einen Blick weg von der Straße, löst es eine akustische, vibrierende oder optische Warnung aus, die die Aufmerksamkeit zurück auf das Verkehrsgeschehen lenken soll. Wo Privatsphäre besonders zählt, können die Warnmeldungen ausschließlich in der Kabine bleiben.
Welche Funktionen bieten ADAS und DMS?
Typische ADAS-Funktionen in Nutzfahrzeugen:
- Kollisionswarnung: warnt vor drohendem Zusammenstoß mit einem Fahrzeug oder einer Person
- Fußgängererkennung: warnt, wenn sich eine Person im Fahrweg befindet
- Headway Monitoring: warnt, wenn der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug zu gering wird
- Totwinkelwarnung: meldet Fahrzeuge und andere Verkehrsteilnehmende in dem Bereich, den die Spiegel nicht abdecken
Typische DMS-Funktionen:
- Müdigkeitserkennung
- Ablenkungserkennung: Blick weg von der Straße, Handynutzung, Hände weg vom Lenkrad
- Gurtwarnung
- Raucherkennung in der Kabine, wenn die Flotte ein Rauchverbot durchsetzt
Warum ADAS und DMS in der Flotte kombinieren?
Jedes System beantwortet für sich nur die Hälfte der Frage. ADAS weiß, was auf der Straße passiert, aber nicht, ob die Person am Steuer es sieht. DMS weiß, ob sie hinsieht, aber nicht, worauf sie achten müsste. Ein integriertes System verbindet beide Bilder: Erkennt ADAS ein Kollisionsrisiko und stellt DMS im selben Moment fest, dass der Blick von der Straße abgewandt ist, kann die Warnung früher und deutlicher kommen als in einer Situation, in der die Person auf die Straße schaut und höchstwahrscheinlich selbst reagiert.
Was die Kombination in der Flotte bringt:
- Weniger Vorfälle. Eine Warnung wenige Sekunden früher ist in der Praxis der Unterschied zwischen einem Streifschaden und einer Kollision.
- Geringere indirekte Kosten. Jede vermiedene Kollision bedeutet keine Reparatur, keinen Ausfall und kein Ersatzfahrzeug.
- Versicherung. Einige Versicherer berücksichtigen die Ausstattung der Flotte mit ADAS und DMS bei der Risikobewertung.
- Material für Schulungen. Aufgezeichnete Ereignisse sind eine konkrete Grundlage für das Gespräch mit dem Fahrpersonal, anders als ein allgemeines Gespräch über den Fahrstil.
- Grundlage für weitere Automatisierung. Assistenzfunktionen sind Sprossen derselben Leiter, an deren Ende das autonome Fahren steht.
In der Flottenpraxis liefern KI-Dashcams beide Funktionen und übertragen die Ereignisse an eine Plattform wie frameLOGIC.
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz?
Die Bezeichnung „KI-basiert“ wird oft überstrapaziert, bei ADAS und DMS beschreibt sie aber konkrete Mechanismen:
- Objekterkennung und Klassifizierung. Der Algorithmus erkennt nicht nur, dass sich etwas vor dem Fahrzeug befindet, sondern entscheidet, ob es eine Person zu Fuß, ein Fahrrad, ein Verkehrszeichen oder ein Schatten auf der Fahrbahn ist. Von dieser Einordnung hängt ab, ob das System überhaupt reagiert.
- Entscheidungen in Echtzeit. Das Modell verbindet Sensordaten, Umgebungsbedingungen und Fahrverlauf und entscheidet, ob es warnt, eingreift oder die Situation ignoriert.
- Maschinelles Lernen. Die Systeme werden anhand realer Fahrten besser, sodass Fehlalarme mit der Zeit seltener werden. Gerade sie entscheiden meist darüber, ob das Fahrpersonal ein System ernst nimmt.
- Analyse des Fahrverhaltens. DMS-Algorithmen bewerten Anzeichen von Müdigkeit und Ablenkung anhand einer Bildfolge, nicht anhand eines Einzelbilds.
- Vorausschauende Analyse. Der Abgleich historischer mit aktuellen Daten zeigt Streckenabschnitte und Tageszeiten, zu denen das Risiko steigt, bevor etwas passiert.
Wie führen Sie ADAS und DMS in der Flotte ein?
Die Hardware zu kaufen ist der einfachste Teil der Einführung. Über den Erfolg entscheiden drei Dinge:
- Schulung des Fahrpersonals. Wer nicht versteht, was ein bestimmtes Signal bedeutet, hält es für eine Störung. Zeigen Sie, wie jede Warnung funktioniert und worauf das System sie stützt. Dazu gehört auch, dass die DMS-Kamera nicht der ständigen Beobachtung dient, sondern auf Ereignisse reagiert.
- Einheitliche Ausstattung der Flotte. Wer zwischen einem Fahrzeug mit ADAS und einem ohne wechselt, überträgt Gewohnheiten unbewusst von einem auf das andere. Eine gemischte Flotte bringt den schwächsten Effekt.
- Blick auf die tatsächliche Nutzung. Prüfen Sie, ob die Systeme abgeschaltet werden, ob die Kamera verdeckt ist und ob die Zahl der Warnungen pro Person in einem vernünftigen Rahmen liegt. Eine Kennzahl, die niemand liest, ist nach einigen Monaten keine Kennzahl mehr.
Wo ADAS und DMS an Grenzen stoßen
Keine der beiden Technologien ist unfehlbar, und eine Einführung, die das nicht einplant, endet in Enttäuschung:
- Witterung. Dichter Nebel, Starkregen und ein verschmutztes Objektiv mindern die Leistung der Kameras. Radar kommt damit besser zurecht, erkennt aber weder Verkehrszeichen noch Fahrbahnmarkierungen.
- Kalibrierung. Nach einem Scheibentausch, einem Unfall oder einer Änderung der Fahrwerksgeometrie muss die Kamera neu kalibriert werden. Ein nicht kalibriertes ADAS meldet das nicht, es reagiert einfach im falschen Moment.
- Fehlalarme. Ein zu empfindliches System bringt dem Fahrpersonal bei, Signale zu ignorieren, und das ist schlechter als gar kein System. Die Empfindlichkeit sollte auf die realen Routen der Flotte eingestellt werden, statt auf den Werkseinstellungen zu bleiben.
- Akzeptanz und Datenschutz. Eine auf das Gesicht gerichtete Kamera verarbeitet personenbezogene Daten. Rechtsgrundlage nach DSGVO, Aufzeichnungsumfang und Speicherdauer müssen vor dem Start feststehen. Wo ein Betriebsrat besteht, ist er vorher einzubinden, und das Fahrpersonal sollte offen informiert werden. Sonst wird das erste Ereignis zum arbeitsrechtlichen Streit statt zum Gespräch über Sicherheit.
ADAS und DMS ersetzen nicht die Person am Steuer. Sie sind eine Warnschicht, die die Reaktionszeit verkürzt, kein System, das das Fahren übernimmt.
ADAS, DMS und die EU-Typgenehmigung
Seit Juli 2024 sind einige Funktionen aus beiden Bereichen in neu zugelassenen Fahrzeugen in der Europäischen Union Pflicht, und zwar nach der Verordnung (EU) 2019/2144, der General Safety Regulation, bekannt als GSR2. Die für die Typgenehmigung vorgeschriebene Müdigkeitswarnung DDAW (Driver Drowsiness and Attention Warning) und die Ablenkungswarnung ADDW (Advanced Driver Distraction Warning) wirken allerdings nur in der Kabine: Sie warnen die Person am Steuer, und damit ist ihre Aufgabe erledigt. Flottensysteme zeichnen das Ereignis auf und übertragen es an die Plattform. So wird nicht nur ein einzelnes Signal sichtbar, sondern auch ein wiederkehrendes Muster.
Häufig gestellte Fragen
Worin unterscheiden sich ADAS und DMS?
ADAS richtet sich nach außen: Das System analysiert Straße, Fahrzeuge und Personen und warnt beispielsweise vor einer drohenden Frontalkollision oder zu geringem Abstand. DMS erkennt anhand von Merkmalen wie Lidschluss und Kopfposition Anzeichen von Müdigkeit oder Ablenkung. Die Systeme ergänzen sich, statt einander zu ersetzen.
Welche Sensoren nutzt ein DMS?
Der häufigste DMS-Sensor ist eine Infrarotkamera, die die Augenbewegungen am Steuer erfasst. Sie wertet Blinzelmuster, Lidschlussdauer und Kopfbewegungen aus und kann die Aufmerksamkeit auch nachts präzise bewerten, da Infrarot nicht von der Kabinenbeleuchtung abhängt.
Brauchen ADAS und DMS künstliche Intelligenz?
Moderne ADAS- und DMS-Systeme arbeiten KI-basiert: Algorithmen erkennen und klassifizieren Objekte (Fahrzeuge, Fußgänger, Verkehrszeichen), entscheiden in Echtzeit über Warnungen und Eingriffe und analysieren Fahrverhaltensdaten auf Ermüdungszeichen. Durch maschinelles Lernen verbessern sich die Systeme anhand realer Fahrszenarien kontinuierlich.
Lässt sich ADAS in älteren Fahrzeugen nachrüsten?
Teilweise. Kamerabasierte Warnungen wie Kollisionswarnung, Fußgängererkennung und Headway Monitoring lassen sich mit einer ADAS-Dashcam nachrüsten. Funktionen, die in die Fahrzeugsteuerung eingreifen, etwa die Notbremsung, erfordern eine Anbindung an die Steuergeräte des Fahrzeugs und werden in der Praxis nicht nachgerüstet.
Zeichnet ein DMS die Person am Steuer ständig auf?
Das hängt von der Konfiguration ab. In einem typischen Flotteneinsatz analysiert die Kamera das Bild laufend, speichert und überträgt aber nur einen kurzen Ausschnitt rund um ein erkanntes Ereignis. Der Aufzeichnungsumfang ist eine Einstellung, die die Flotte bewusst wählt, und das Fahrpersonal sollte vor dem Start darüber informiert werden.