Digitaler Tachograph
Ein digitaler Tachograph ist das vorgeschriebene Kontrollgerät in Nutzfahrzeugen, das Lenkzeiten, Pausen, Ruhezeiten und Fahrzeugaktivität elektronisch aufzeichnet. Die aktuelle Generation, der intelligente Tachograph G2V2 (zweite Generation, Version 2), ergänzt Satellitenortung und Fernkontrollfunktionen, die mit dem EU-Mobilitätspaket eingeführt wurden.
Welche Tachographen-Generationen gibt es?
In Fahrzeugen auf Europas Straßen sind heute vier Gerätetypen unterwegs, in ein neues Fahrzeug darf aber nur der letzte eingebaut werden:
- Analoger Tachograph: Aufzeichnung auf einem Schaublatt, also einer Papierscheibe. Im internationalen Verkehr ein Auslaufmodell.
- Digitaler Tachograph (G1): die erste Generation elektronischer Geräte, ohne Satellitenortung.
- Intelligenter Tachograph der ersten Generation (G2V1): ergänzt GNSS und die DSRC-Fernauslesung für Kontrollen; verbaut seit dem 15. Juni 2019.
- Intelligenter Tachograph der zweiten Generation (G2V2): Pflicht in Fahrzeugen mit Erstzulassung ab dem 21. August 2023, mit automatischer Erfassung von Grenzübertritten, Fahrerkarte für 56 Tage und ITS-Schnittstelle.
Die Umrüstfristen für ältere Geräte im internationalen Verkehr beschreibt der Eintrag Lenk- und Ruhezeiten.
Was zeichnet ein G2V2-Tachograph automatisch auf?
G2V2-Geräte erfassen automatisch den genauen Ort und Zeitpunkt jedes Grenzübertritts zwischen EU-Mitgliedstaaten per GNSS (Global Navigation Satellite System). Das frühere manuelle Anhalten zur Eingabe von Ländercodes entfällt. Zusätzlich können Fahrende Beginn und Ende von Be- und Entladevorgängen samt geografischer Position manuell erfassen. Der Eintrag selbst ist nicht zwingend vorgeschrieben, ein lückenloses Aktivitätsprotokoll stützt jedoch Compliance und operative Transparenz.
Wie viele Daten speichert ein G2V2-Tachograph?
Die Verlängerung auf 56 Tage betrifft die Fahrerkarte, nicht die Fahrzeugeinheit. Fahrerkarten der neuen Generation fassen doppelt so viel wie die bisherigen 28 Tage. Das entspricht dem Zeitraum, den eine Straßenkontrolle seit den Änderungen durch das Mobilitätspaket abdeckt. Die Fahrzeugeinheit speichert Daten deutlich länger, mindestens ein Jahr, und das gilt seit den ersten digitalen Tachographen.
Praktisch heißt das: Der Engpass ist die Fahrerkarte. Ist sie voll, werden die ältesten Einträge überschrieben. Die Fahrerkarte muss deshalb häufiger ausgelesen werden als die Fahrzeugeinheit.
Wie läuft eine Straßenkontrolle mit einem G2V2-Tachographen ab?
Kontrollbehörden lesen einen definierten Datensatz per DSRC-Kurzstreckenkommunikation aus der Ferne aus, bei G2V2 erweitert von 19 auf 25 Parameter. Dazu gehören die Echtzeitüberwachung der ununterbrochenen Lenkzeit, der täglichen, wöchentlichen und zweiwöchentlichen Lenkzeiten sowie die GNSS-Position. So sind Vorabkontrollen möglich, ohne das Fahrzeug anzuhalten. G2V2-Geräte erkennen zudem Manipulationsversuche wie Magnete oder externe Schalter, melden Defekte des Bewegungssensors und nutzen authentifizierte GNSS-Signale (OSNMA) zum Schutz der Datenintegrität.
Ist ein G2V2-Tachograph mit vorhandener Telematik-Hardware kompatibel?
G2V2 führt eine verpflichtende Bluetooth-Schnittstelle für Intelligente Transportsysteme (ITS) ein, die den Tachographen mit Flottenmanagementsystemen, mobilen Anwendungen und Bordcomputern verbindet. Geräte für frühere Tachographengenerationen arbeiten häufig nicht mit G2V2-Einheiten zusammen. Wer nur den Tachographen tauscht, ohne die angeschlossene Hardware zu modernisieren, riskiert den Verlust des Fern-Downloads von .ddd-Dateien und der laufenden Fahrzeugverfolgung. Bei frameLOGIC übernimmt der Tachograph-Fernabruf die Datenabholung für G2V2-Flotten. Eine integrierte Software-Update-Funktion passt G2V2-Geräte an künftige regulatorische Änderungen an.
Wie oft muss ein Tachograph ausgelesen und kalibriert werden?
Die Pflichten des Unternehmens folgen zwei voneinander unabhängigen Zyklen. Auslesen: Die Daten der Fahrerkarte werden mindestens alle 28 Tage ausgelesen, die der Fahrzeugeinheit mindestens alle 90 Tage; die ausgelesenen DDD-Dateien werden mindestens ein Jahr aufbewahrt. Kalibrierung: Der Tachograph muss alle zwei Jahre in einer zugelassenen Werkstatt geprüft werden, außerdem nach jeder Reparatur, nach einem Reifenwechsel, der den wirksamen Reifenumfang verändert, und nach einer Änderung des amtlichen Kennzeichens.
Beide Zyklen gelten oft als Formalität, bis zur ersten Kontrolle. In der Praxis ist ein versäumtes Auslesen bereits für sich ein Verstoß, unabhängig davon, ob das Fahrpersonal die Vorgaben eingehalten hat: Die Kontrolle kann einen Zeitraum, dessen Daten verloren sind, nicht mehr prüfen.
Häufig gestellte Fragen
Was unterscheidet einen digitalen von einem intelligenten Tachographen?
Jeder intelligente Tachograph ist ein digitaler Tachograph; „intelligent” bezeichnet die neueren Generationen mit GNSS-Ortung, DSRC-Fernauslesung und ITS-Bluetooth-Schnittstelle. G2V2 ist die zweite Version der zweiten (intelligenten) Generation.
Wie lange speichert ein G2V2-Tachograph Daten des Fahrpersonals?
Eine Fahrerkarte der neuen Generation fasst 56 Tage Aktivität, gegenüber 28 Tagen bei früheren Versionen. Das ist der Zeitraum, den eine Straßenkontrolle seit den Änderungen durch das Mobilitätspaket abdeckt. Bei der Fahrzeugeinheit sieht es anders aus: Sie speichert Daten mindestens ein Jahr, und an dieser Grenze hat sich nichts geändert.
Was ist eine Fahrerkarte und wie lange ist sie gültig?
Die Fahrerkarte ist eine personengebundene Chipkarte, die die fahrende Person gegenüber dem Tachographen identifiziert und ihre Aktivitäten speichert. In Deutschland stellen die regionalen Fahrerlaubnisbehörden sie aus; sie gilt fünf Jahre. Stellen Sie den Antrag auf eine neue Karte rechtzeitig vor Ablauf: Fahren ohne gültige Karte ist ein Verstoß, und die Wartezeit auf die neue Karte gilt nicht als mildernder Umstand.
Können Behörden einen Tachographen auslesen, ohne das Fahrzeug anzuhalten?
Ja. Über DSRC lesen Kontrolldienste 25 Datenparameter einer G2V2-Einheit aus der Ferne aus, darunter die ununterbrochene Lenkzeit, tägliche, wöchentliche und zweiwöchentliche Lenkzeiten sowie die GNSS-Position. Die Auslesung dient als Vorabkontrolle bei der Auswahl der anzuhaltenden Fahrzeuge.